Schiebung

4. September –

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Heile Welt im oberen Thurgau

So viel wie heute habe ich mein Fahrrad noch nie geschoben. Aber der Reihe nach.

Um 7.45 habe ich bereits gefrühstückt und bekomme von einem älteren Mönch den (persönlichen) Pilgersegen.

Ein bewegender Augenblick. Er liest den sogenannten Pilgerpsalm. Nach dem Segen unterhalten wir uns ein noch  und so erfahre ich noch ein wenig über das Kloster und dessen Geschichte.

Den Namen haben Ort und Kloster wie die Fische im Ortswappen übrigens von den Fischteichen im Mittelalter. Fischingen würde 1138 von den Konstanzer Bischöfen gegründet.

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Leere Straße und der Blick zum Hörnli.

Nach dem Segen geht es für beide ans Tagwerk. Auf mich wartet der Anstieg zum Hörnli. Ich schiebe die gut 250 Höhenmeter hinauf, bei Steigungen mit teilweise 16% ist das eher ein Schinden.

Und doch geht mir wieder das Herz auf.

Nur alle 10 Minuten überholt mich ein Auto, ein weiter Bick hinunter in den Thurgau und an den Bodensee aus einer Höhe von fast 1000 Meter Meereshöhe, grüne Wiesen, Bauernland.

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Rapperswil am Zürichsee

Gegen Mittag ist Rapperswil am Zürichsee auf gut 400 Metern Meereshöhe erreicht. Dort kehre ich, um die Reisekasse ein wenig zu schonen, im Gasthaus zum güldenen M ein, das sich direkt an der Promenade befindet.

Die anschliessende Fahrt über den Seedamm rüber nach Pfäffikon am Südufer entwickelt sich zum Horror, da der Radweg nur aus einem aufgemalten gelben Strich auf der vielbefahrenen Hauptstraße besteht.

Nach Pfäffikon ist wieder Schieben angesagt, gut 500 Höhenmeter sind es hinauf bis zum Etzelpass auf 960 Meter. Wieder schieben und schinden bei bis zu 16% Steigung. An Fahren ist nicht zu denken. Einige Mountainbiker überholen mich, sie schieben sich mit ihrer Monsteruntersetzung in Zeitlupe an mir vorbei. Dann, auf halber Strecke geht mir das Wasser aus und ich male mir schon einen Kollaps aufgrund von Wassermangel aus.

Aber irgendwann, das Wasser ist schon längst leer, ein einsames Gehöft, wo ich beim Bauern meine Wasserflasche füllen kann.

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Blick auf den Sihlsee

Oben auf dem Etzelpass bin ich fix und fertig, aber es gibt eine kleine Beiz (Schweizerdeutsch für Restaurant) am Wegesrand, wo ich mir einen Eiskaffee gönne.  Den Eiskaffee habe ich mir in den letzten zwei Stunden sauer verdient. Der Sihlsee kommt bald in Sichtweite und damit die Erinnerung auf Ferienlager zu KJG -Zeiten am Sihlsee die schon 40 Jahre zurückliegen.

Über grüne Matten und Nebenwege kommt nach wenigen Kilometern das Etappenziel,  das Kloster Einsiedeln in Sicht.

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Einsiedeln, das Kloster ist links unterhalb des Waldes am Ortsrand, der große Mythen, das erste morgige Zwischenziel, ist in der Ferne etwas wolkenumhüllt.
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So tickt die Schweiz: selbst auf den Votivkerzen ist das Volk immer dabei ..

Im Kloster habe ich mich schon von Rapperswil aus angemeldet. Heute ist alles wieder „normal“.  Das Inventar ist spartanisch und hat schon viele Jahrzehnte auf dem Buckel.

Die sechs Pilgerinnem und Pilger die sich heute den Raum teilen, gehen gemeinsam in die Vesper. Die über 20 Bendiktinermönche erfüllen mit den auf Latein gesungenen Psalmen das barocke Kirchenschiff.

Ach ja, warme Duschen und ein warmes Abendessen sind im Preis von 35 Franken enthalten.  Alles Bestens.

Um 22 Uhr ist Bettruhe, was mir Recht ist, denn 63 Kilometer und über 1200 Höhenmeter sorgen für die nötige Bettschwere.

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