Im Frühtau am Berge

15. September –

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Morgendliche Stimmung im Aubrac

Als ich gefragt wurde wie ich geschlafen habe, antwortete ich mit „moyen“, was allerdings noch beschönigend war.

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Tristesse in den kleineren Orten im Zentrum. Der Leerstand ist überall zu sehen. Die Lebensmittel-  und Gemüsehändler hat es alle schon erwischt. Halten können sich allenfalls noch Metzger und Bäcker gegen den Supermarkt an der Peripherie. Bei den Bekleidungs- und Schuhgeschäften rollt Dank Internet die nächste Welle.

Das Zimmer zu dritt war eng und stickig und unruhig war der Schlaf, obwohl ich genug Bettschwere hatte.

Die französischen Pilger standen zwar zeitig auf, aber kamen dann doch nicht in die Pötte, so dass ich als erster unterwegs war – verkehrte Welt.

In der Frische des Morgens dann der erste Pass (Col de Hospitalet mit 1320 m).

Es ging „nur“ 250 m hoch, da ich bereits auf über 1000 m Meereshöhe startete.

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Oberhalb 800 m Meereshöhe gibt es nur Weidewirtschaft, die Weiden sind durch die Trockenheit des Sommers vielerorts vedorrt.

Ich war in der Herberge, das Teil eines Bauernhofes ist, der Jüngste von allen. Jetzt, wo wieder die Schule in Frankreich angefangen hat, ist vorrangig die Altersgruppe der 60 – 75-jährigen unterwegs.

Der Morgen ist mit 7 Grad recht frisch (siehe Beitragsbild), so dass ich meine Übergangshandschuhe erstmals auspacken muss.

Ein Hauch von Herbst liegt in der Luft, was Mitte September auch sein darf.

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Er fährt heute fürs Frankreich-Klischee vorbei.

Nach der Abfahrt hinunter nach St-Alban-sur-Limagnole gehe ich für einen Morgenkaffee in eine Bar um mich aufzuwärmen.

Es läuft heute gut, ich bin jetzt auf der Hochebene des Aubrac. Ich sammle zwar wieder heftig Höhenmeter, aber es sind meist nur kurze, flache Anstiege.

Die Infrastruktur für den Pilger ist unglaublich Aufgrund der seit Le Puy spürbar zugenommenen „Pilgerdichte“ sind überall Übernachtungs- und Einkehrmöglichkeiten. Die „Hauptorte“, welche manchmal nur wenige hundert Einwohner haben, reihen sich wie eine Perlenkette aneinander, die dann etwa einen Tagesmarsch auseinander liegen.

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Zufluchtsort vor Räuberbanden im Mittelalter – die Kirche von Aubrac

Manche Klöster und Kirchen wurden nur zu diesem Zweck errichtet um in dieser früher wie heute (gott-)verlassenen Gegend eine Unterkunfts- und Zufluchtsmöglichkeit für die Pilger im Mittelalter zu schaffen. Darum herum entwickelten sich nach und nach die Ortschaften.

Auf der übersichtlichen D987 ist kaum Verkehr, die Sonne scheint, es ist nach der Kühle des Morgens angenehm warm. Überall sind Kühe auf den Weiden, mehr als Weidewirtschaft gibt die karge, leicht hügelige Landschaft nicht her.

Der letzte kurze Anstieg geht hinauf zum Col d‘ Aubrac auf 1340 m. Danach folgt eine sensationelle, 25 km lange Abfahrt bis hinunter nach Espinal (380 m) im Tal des Lot, einem Zufluss der Garonne.

Ich habe das Zentralmassiv hinter mir, es warten nun die „Mühen“ der Ebene. Die heutige Etappe durch das herbe, menschenleere Aubrac hat bereits jetzt einen Platz unter den schönsten Etappen sicher.

Nach 98 km und genau 1000 Höhenmetern ist Schluss für heute. Die letzten 4 Tage waren es insgesamt fast 4500 Höhenmeter.

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