Ein moderner Bettelmönch

19. September –

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Die Kathedrale von Condom innen.

– Heute morgen lies ich es langsam angehen. Ich war der letzte in der Pilgerunterkunft. Als ich an der Kathedrale mein Rad anstellte, fiel mir noch weiteres Rad auf. Allerdings wirkte dort alles improvisierter, kein Regenschutz, alles Gepäck war eher wild auf den klapprigen Drahtesel draufgepackt.

Als ich die Kathedrale (ausser Dorfkirchen heissen in Frankreich alle wichtigen Kirchen Kathedralen)  wieder verließ, stand der Besitzer neben seinem Rad, er war auch zuvor in der Kathedrale, ich habe ihn dort kurz wahrgenommen.

Mit ihm kam ich dann noch ins Gespräch. Es war ein junger Deutscher aus Bayern, der nach Lyon getrampt ist, dann sich das alte Fahrrad organisierte und im Gottesglauben losfuhr.

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Heute fast 40 Kilometer auf solchen Wegen….

Er wirkte ein wenig wie aus einer anderen Zeit, er erzählte viel, offenbar bin ich der erste Deutsche seit langem mit dem er reden konnte.

Und seinen abenteuerlichen Schilderungen zufolge ernährt er sich vor allem direkt aus der Natur, er ist quasi als moderner Bettelmönch unterwegs.

Ich fragte ihn dann wieviel Geld er so bei sich hat und er zog einige kleine Münzen aus der Tasche, keine 50 Cent.

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Wir sind im Amagnac, Namensgeber des gleichnamigen Weinbrandes

Ich half ihm dann grosszügig aus, denn er war kein Schnorrertyp die einem sonst ab und an begegnen und dumm anquatschen. Er bot mir zum Dank noch von seinen geernteten Äpfeln und Mirabellen an.

Er will noch bis St. Jean-de-Pied-Port, dem Startpunkt des Camino Frances in den Pyrenäen kommen und dann zurücktrampen.

Somit trennten sich unsere Wege, die sich nur kurz vor der Kirche gekreuzt haben.

Während ich aus Condom herausfuhr und noch über diese aussergewöhnliche Begegnung nachdachte, verfranste ich mich und landete auf einem stillgelegten Bahngleis, das mich dann die nächsten 22 km auf feinstem Asphalt nach Westen brachte. Welch eine Fügung !

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Mont-de-Marsan, die Schatten sind schon lang, aber die Hitzeglocke steht noch über der Stadt.

Danach ging es durch die Landschaft des Armanaq, dort wo der gleichnamige, edle Bruder des Cognac herkommt.

Nur leider fuhr ich hungrig durch die menschenleere Gegend.  Lediglich einen Apfel von der morgendlichen Begegnung hatte ich noch bei mir. Und es ging ständig auf und ab.

Erst gegen 15 Uhr und nach fast 60 Kilometern fand ich eine offene Bäckerei.

Vor Mont-de-Marsan hatte ich dann nochmals Glück und fuhr wieder auf einer alten Bahntrasse 15 Kilometer auf schattigen Bahndämmen in der Nachmittagshitze direkt in die Stadt.

Die Temperatur lag am späten Nachmittag bei 32 ° C. Es waren heute wieder über 90 km und über 900 Höhenmeter, trotz der Bahntrassen.

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