Michelin 571

29. September

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Viele Galicier wanderten im 19. Jh. nach Kuba und nach Mittelamerika aus. Wenn sie es dort zu etwas brachten und in die Heimat zurückkamen, stellten sie sich solche Stadtvillen hin.

– Ich habe gut geschlafen und weil es hier spät hell wird, ist dies zumindest für mich hilfreich.

Erst wollte ich in die Pilgerunterkunft in Luarca. Aber da standen schon drei vor mir und es sah drinnen schon recht voll aus. Außerdem roch es ziemlich nach abgekämpftem Pilger und Bohnerwachs.

Kurzum, ich wechselte die Straßenseite, klingelte dort am Hotel.  Es war dann zu meiner Überraschung die Frau aus der Pilgerunterkunft die über die Straße herüber kam.

Sie betreibt wohl beides. Aber für 45 € mit Frühstück kann man nichts sagen. Überhaupt sinkt das Preisniveau mit jedem Kilometer seit ich die großen Städte hinter mir gelassen habe.

Heute ist wieder eine „Flachetappe“, es läuft gut an diesem Samstagmorgen, leere Straßen (siehe Beitragsbild), angenehme Temperaturen und ein Luxus- Fahrradstreifen machen die Fahrt zum Genuss.

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Alles an Bord – Galicien kann kommen.

Wieder sind viele Rennradfahrer unterwegs, so wie vor Wochenfrist bei Zarautz. Am Ende des Tages werden es 95 km und trotzdem wieder 900 Höhenmeter sein

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Verkehrsplaner die sich so etwas ausdenken sollte man teeren und federn.

Bei Ribadeo ist auf der 800 m langen Brücke über die Bucht die Grenze zu Galicien erreicht.

Der „Weg“ dort besteht aus einem schmalen, abgetrennten Gehsteig neben den Fahrbahnen der Autobahn. Mit meinen Packtaschen ist der Weg ausgefüllt. Rechts und links je 5 cm Luft. Drei Mal muss ich bei Begegnungen die Packtaschen abnehmen.

In Ribadeo dann wieder ein Erlebnis wie sich alles auch dieses Mal fügt. Zu meinem bislang eher nebensächlichen und unaufgelöstem Cidre- Trauma kam das Problem, dass ich aus unerfindlichen Gründen keine Karte für Galicien dabei habe. Das Ende der kantabrischen Karte rückte mit jedem gefahrenen Kilometer bedrohlich näher, mehrere Beschaffungs- Anläufe bei Tankstellen verschiedener Marken scheiterten bereits.

Eine Tankstelle hält heutzutage 20 Sorten Bier, 30 Sorten Chips, Eiskrem und anderen Schrott parat, aber nicht so etwas altmodisches wie eine Straßenkarte.

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Die parallel verlaufende Autobahn an der Nordküste zieht fast den gesamten Verkehr auf sich.

Dann die Erlösung, in Ribadeo bald nach dem Ortseingang sehe ich einen Buchladen, gehe hinein, zeige meine Michelin 572 von Kantabrien, lisple zeigend darauf „Galicia“.

Der Buchhändler greift hinter sich und streckt mir die heiss ersehnte Michelin 571 entgegen. 7.95 € sind schnell und gern bezahlt. Hinter mir wird der Laden zugesperrt. Wieder einmal fügt sich alles, vom Heiligen Jakob oder wem auch immer.

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Josef aus Kärnten

Dann am Nachmittag eine Begegnung der besonderen Art. Ich treffe Josef aus Kärnten. Alle Einzelheiten würden zu weit führen, nur so viel: Josef ist mit Rad und Anhänger bereits 5800 km unterwegs und er hat viel zu erzählen, von Koma und Nahtod, Vollpflegefall, Glaubenserfahrung und und und. Es ist eine besondere Begegnung.

Aber nach 15 Kilometern trennen sich unsere Wege bereits. Ich die Küste hoch, er dem Jakobsweg ins Landesinnere folgend. Wir werden uns sicher noch einmal begegnen.

Ich nutze den Rückenwind und die noch angenehmen 22 Grad, fahre weit in den Abend bis Burela hoch, bekomme dort ein feines Hotelzimmer für 30 € mit Frühstück.

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