Botafumeiro im Doppelpack

3. Oktober

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Altstadt ohne Rummel kurz vor 8 Uhr am Morgen.

– Der Tag eines Santiagopilgers ist eng getaktet. Um 8 Uhr ist die Frühmesse für die deutschen Jakobspilger. Die Stadt ist um diese Zeit wie ausgestorben und es ist noch zappenduster, wie ich an anderer Stelle schon schrieb.

Danach gemeinsames Frühstück im nahen, ehemaligen Benediktinerkloster beim Nordportal. Dort habe ich mich bis 10 Uhr festgequatscht.

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Schlange stehen für die Compostela im neuen, piekfeinen klimatisierten Pilgerzentrum

Pflichttermin ist der Besuch im Pilgerbüro um die Compostela zu holen, also die Urkunde. Dafür steht man dann erst einmal eine Stunde an, trotz der sieben (!) geöffneten Schalter. Mit einer Stunde Wartezeit bin ich noch gut bedient, andere erzählen von mehrstündigen Wartezeiten in der Hauptsaison.

Der gestrenge Prüfer hat mit mir ein Problem, denn er sieht sofort eine Lücke von einem Tag in Frankreich, die ich aber erklären kann.

Womit er ein echtes Problem hat, sind meine virtuosen Routenwechsel, die nicht ganz regelkonform sind.

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Souvenir, Souvenir

 

 

 

Das Problem ist, dass ich den Nordweg, den Camino del Norte in Ribadasella verlassen habe, als Freelancer um Galizien herum gefahren bin und dann auf dem Camino Ingles in Ferrol auf einem „offiziellen“ Jakobsweg wieder eingesetzt habe.

Dieser ist aber nur 100 km lang, ich müsste mit dem Rad aber 200 km am Stück nachweisen, was aber beim Camino Ingles gar nicht geht.

Ich denk schon, dann Rutsch mir den Buckel runter, ich habe bereits eine Compostela zu Hause, dann hab ich halt keine Zweite. Er geht derweil zur Oberkontrolleurin und ich bekomme nach kurzer Aussprache der beiden die Compostela.

„Gerettet“ hat mich vermutlich mein voller Pilgerpass, der immerhin einen ganzen Monat die Fahrt auf Jakobswegen in Deutschland, der Schweiz, Frankreich und Spanien nahezu lückenlos dokumentiert. Da habe ich ganz andere, armselige Pässe gesehen, wo man die Stempel suchen muss.

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Kathedrale im Abendlicht

Um 12 Uhr ist heute wieder die offizielle Pilgermesse mit deutlich weniger Rummel, dafür aber wieder am Schluss mit dem Botafumeiro. Danach Mittagessen nebenan im Benediktinerkloster („Pilgermenü“).

Da ich etwas verwildert aussehe, steht Haare schneiden auf der Dringlichkeitsliste (kostet hier 9 €). Danach Souvenirläden inspizieren, Postkarten schreiben, Blog schreiben, Bilder machen und ein wenig rumhängen. Das Fahrrad bleibt heute auf dem Zimmer und hat Ruh.

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