Das geht gar nicht ..

4. Oktober

– Heute morgen verlasse ich Santiago. Ich bin schon nach sieben Uhr in der Kathedrale, dann wenn es noch leer und ruhig ist und man zur Ruhe und zum Gebet kommen kann.

Frühstück dann bei der gewohnten Adresse. Der Verkehr in und aus Santiago ist heftig, so dass ich wieder auf den Fußweg ausweiche.

Das Video vom Schwenken des Weihrauchkessels (Botafumeiro) habe ich an einige liebe Freunde verschickt ( kann ich leider nicht auf WordPress verlinken).  Auf YouTube finden sich zahlreiche Videos dazu.

Lassen wir einmal gedanklich einen Assessor (neudeutsch für Großinquisitor) die aktuelle Weihrauchkesselschwenkanlage und die Kirche in Santiago nach deutschem Standard auditieren und genehmigen. Ein Beanstandungsprotokoll sähe dann etwa wie folgt aus:

∆ Es gibt keinen Nachweis über die Bruchlast des Hanfseils

∆ Es gibt keinen Herkunftsnachweis für den Hanf und keine Zertifizierung des Herstellerbetriebes.

∆ Der verwendete Stahl des Weihrauchkessels entspricht nicht der DIN ISO 11257 für Kessel von Feuerungsanlagen.

∆ Es gibt keine Prüfstatik für die Aufhängung und die Umlenkeinheit der Schwenkanlage.

∆ Die Anlage insgesamt ist nicht vom TÜV Rheinland als europaweit zertifizierte Abnahmeinstitution für Kult- und Schaustellerbetriebe abgenommen.

∆ Der Weihrauchkessel ist nicht von einem Fachmann geschmiedet und geschweisst worden, der über ein Europäisches Schweisserzertifikat verfügt.

∆ Die örtliche Feuerwehr erlaubt nicht das Entfachen von offenem Feuer in Kultstätten.

∆ Die Kirchentüren entsprechen nicht den aktuellen Standards für Fluchtwege, sind zu knapp bemessen und öffnen nach innen. Fluchtwege sind nicht ausgewiesen.

∆ Die Brandlast der in der Kirche befindlichen Holzbänke ist zu hoch.

∆ Die Beleuchtungssituation ist unzureichend, die für öffentliche Gebäude erforderliche Mindestbeleuchtungsstärke von 300 Lux wird nicht erreicht.

∆ Es gibt kein Emissionsgutachten zur Exposition der Gottesdienstbesucher durch Feinstaub des Weihrauchfeuers.

∆ Es sind keine Warn-Piktogramme nach DIN EN 917 vorhanden die einen Aufenthalt unter dem schwebenden Weihrauchkessel untersagen. Ebenso fehlen Warn-Piktogramme die vor der heissen Oberfläche warnen.

∆ Es gibt keinen Nachweis zum Weihrauch, ob nicht Kinderarbeit bei der Herstellung in den Herkunftsländern im Spiel ist. Die Aussage, dass es sich um Restbestände der heiligen drei Könige handelt, ist nicht zielführend. Die Lieferkette konnte nicht nachvollziehbar offengelegt werden.

∆ Die Gender-, Frauen- und Gleistellungsbeauftragte duldet es nicht, dass Frauen nur zu niederen Diensten wie zur gesanglichen Untermalung herangezogen werden. Dies wird bereits seit 2000 Jahren beanstandet.

∆ Der Inklusions- und Behindertenbeauftragte beanstandet, dass keine behindertengerechten Toiletten vorhanden sind und der Aufgang zum Heiligen Jakob nur über eine Treppe möglich ist.

∆ Der Seniorenbeirat beanstandet, dass die größte gesellschaftliche Gruppe beim Ziehen des Seils ausgeschlossen ist.

∆ Der Migrations- und Ausländerbeauftragte beanstandet, dass mit nur einem koreanischen Priester andere Ethnien im Priesterkollegium  nur unzureichend berücksichtigt sind.

∆ Der Umweltbeauftragte beanstandet, dass die Turmfalken unzureichende Nistmöglichkeiten haben und durch den starken Besucherverkehr in ihrem Nistverhalten beeinträchtigt werden

∆ Für das Gebäude liegt keine Prüfstatik gemäß Erdbebenzone II vor. Baupläne konnten keine vorgelegt werden.

∆ Die Baugenehmigung konnte nicht vorgelegt werden, folglich handelt es sich um einen Schwarzbau.

∆ Für das Bedienpersonal konnten keine Ausbildungsnachweise und Tätigkeitsbeschreibungen vorgelegt werden.

∆ Für die Kirchenglocken besteht eine Lärmpegelüberschreitung im Nahbereich, diese sind nach der TA Lärm so nicht mehr genehmigungsfähig

∆ Die Einrichtung ist gesamthaft nicht nach ISO 9001 zertifiziert

In Deutschland sind wir, ich muss es so hart sagen, mittlerweile ziemlich am Arsch verbogen und wundern uns, dass wir zunehmend weniger auf die Reihe bekommen.

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Schöne Augenblicke waren heute rar: Galizische Kornspeicher am Wegesrand.

Ach ja, ich bin heute bis Pontevedra gekommen (72 km, 700 Höhenmeter).

Die N -550 in Richtung Pontevedra war keine Freude, so dass ich ca. 30 km auf dem Camino Portugues fuhr.

Auch das war keine Freude, denn es kamen mir hunderte (!) von Pilgern und Wandersleuten entgegen. Ein Tag, trotz schönem Wetter, zum Abhaken.

 

 

 

 

 

 

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